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Springbock, 2020
© Fotos Dr. Cordia Schlegelmilch

Betrachten wir den Springbock. Hierbei handelt es sich um den Abguss eines aufblasbaren Kissens aus Plastik, dem ein Loch in seine Oberseite eingearbeitet ist. Wem dieses Loch dienlich oder nicht dienlich sein soll, verbleibt unklar.

Ebenso stellt sich die Frage, wie auf diesem Bock geturnt werden kann, wenn man seine dünnen, schwarz lackierten Beine betrachtet, die bei jeder körperlichen Veraus-gabung abzubrechen drohen. Auf diesem Bock ist also kein Herumturnen möglich, nicht allein und erst recht nicht mit anderen. Ich frage mich, was ich mit diesem Gerät anfangen könnte. 

Das Loch, nach oben ausgerichtet, ist unbumsbar, ich wüsste nicht, wie ich den Bock effektiv besteigen sollte.  

Das ehemals weiche Luftkissen besteht nun aus hartem Carra-ra Acrystal. Das Gerät macht mir ein Versprechen („Komm, nimm mich!“), das es nicht einhält („Ich sage dir aber nicht wie!“). Hier eröffnet sich ein Spannungsfeld, ein quasi neurotisches Bezieh-ungsmuster. Du kannst mich haben, wenn du willst, aber ich lasse dich nicht, sobald du dich für mich entscheidest. Der Springbock bockt und wieder befinden wir uns im Strudel andauernder Unzulänglichkeiten. 

Stefan Ewald (Auszug)